Immunglobulin-Therapie
Primäre Immundefekte (PID)
Primäre Immundefekte sind angeborene Störungen der Immunantwort. Sie können sowohl qualitativer als auch quantitativer Art sein und beruhen auf einer Störung der Entwicklung bzw. Differenzierung der immunkompetenten Zellen. Die Folge ist eine Insuffizienz der humoralen oder zellulären Immunität.
Nach Angaben der Deutschen Selbsthilfe angeborene Immundefekte e.V. (DSAI) leben in Deutschland vermutlich rund 100.000 Menschen mit PID. Nur bei einem kleinen Teil – etwa 2.000 Patienten – ist die Erkrankung diagnostiziert und wird behandelt.* Da Immundefekte in vielen Fällen unerkannt bleiben, kommt der Diagnose besondere Bedeutung zu. Folgende Warnzeichen können auf einen PID hindeuten:
Quelle: *) http://www.dsai.de/
Warnzeichen für einen Immundefekt bei Erwachsenen
- ≥ 4 Infektionen während eines Jahres, die mit Antibiotika behandelt werden mussten (Otitis, Bronchitis, Sinusitis, Pneumonie)
- Einnahme von Antibiotika über mehrere Monate ohne wesentliche Besserung
- Schwere bakterielle Infektionen wie Sepsis Meningitis oder Osteomyelitis oder chronische bilaterale Sinusitis
- ≥ 2 radiologisch nachgewiesene Pneumonien innerhalb von 3 Jahren
- Infektion mit ungewöhnlicher Lokalisation oder durch ungewöhnliche Erreger
- PID in der Familie
Quelle: www.esid.org; The 6 ESID warning signs for ADULT primary immunodeficiency diseases
Behandelt werden primäre Immundefekte über eine Substitutionstherapie mit Immunglobulinen. Diese kann sowohl intravenös als auch subkutan erfolgen. Die subkutane Applikation wird von den Patienten selbstständig und von zu Hause aus durchgeführt. Für viele bedeutet dies eine deutliche Steigerung der Lebensqualität. Die intravenöse Immunglobulin-Therapie wird vor allem bei primären Immundefekten angewendet, die auf einem Mangel an Antikörpern beruhen.
Sekundäre Immundefekte (SID)
Sekundäre Immundefekte können sich infolge maligner Erkrankungen, Infektionskrankheiten, Stoffwechselstörungen und Mangelernährung entwickeln. Mögliche Warnzeichen sind häufige Infektionen der Atmungsorgane, der Verdauungsorgane und des Harntraktes.
Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) oder Multiplem Myelom (MM) können von einer intravenösen Gabe von Immunglobulinen sehr profitieren.
Autoimmunerkrankungen
Folgende Autoimmunerkrankungen werden heute mit hohen Dosen intravenös applizierter Immunglobuline behandelt:
- Idiopathische thrombozytopenische Purpura (ITP; Morbus Werlhof)
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
- Multifokale motorische Neuropathie (MMN)
- Kawasaki-Syndrom
Humanes Tetanus Immunglobulin
Eine Infektion mit dem Tetanus-Bakterium Clostridium tetani erfolgt über Verletzungen, chirurgische Wunden oder Hautulzera. Zur Sofortprophylaxe in Verletzungsfällen bei Personen mit fehlender oder ungenügender aktiver Immunität gegen Tetanus kann das humane Tetanus Immunglobulin intramuskulär injiziert werden.
Weiterführende Informationen
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